09 Mai 2009

Liberté: Neues Album von Khaled



Still war es um Khaled, den König des Raï, seit „Ya Rayi“ 2004. Seither tourt er zwar durch die Welt, aber ein neues Album wurde immer wieder verschoben. „Liberté“ wurde nun von Martin Meissonnier produziert, wie Khaleds allererste Platte „Kutché“ 1988. Damals hatte Martina Zimmermann den Sänger in Paris kennen gelernt, war die erste deutsche Journalistin, die Khaled interviewte und in Deutschland über den Raï berichtete. Es folgten weitere Interviews und Begegnungen mit Khaled in Paris, Montreal (Kanada), Amman (Jordanien) und Oran in Algerien. Anlässlich des neuen Albums fand folgendes Interview in Paris statt.

Martina Zimmermann: Dein Album „Liberté“ lässt mein Herz dahinschmelzen, wie vor über 20 Jahren, als ich den Raï in einer Pariser Kneipe entdeckte und du dich noch Cheb nanntest [cheb=jung: Die Raisänger nannten sich Cheb im Gegensatz zu den bisher singenden Cheikh]

Khaled (lacht): Cheb, das ist vorbei, ich bin fast fünfzig und habe graue Haare (lacht). Für dieses Album wollte ich Martin Meissonnier, der mein erstes Album Kutché produziert hat. Ich hatte Demotapes und wußte nicht, in welche Richtung ich gehen soll. Ich war am Überlegen, ob ich Don Was, Philippe Eidel oder wen nehmen sollte. Fast wollte ich es allein machen. Dann traf ich Martin im Studio eines Freundes. Ich sagte, willst du ein neues Album mit mir machen? Er zögerte, wie es seine Art ist... Schließlich sagte er okay. Ich war froh. Er sagte dann, schmeiß dein Demotape weg! Ich hatte fast 30 Titel, und die wollte er nicht! Ich sagte, du willst meine Arbeit wegwerfen? Er sagte, heb sie auf für ein anderes Album. Er sagte, ich habe eine Idee, wir werden live aufnehmen. Ich sagte, du spinnst. Er sagte, du hast den Weg allein nicht gefunden.
Er sagte, du bist ein Mann der Bühne, so hab ich dich kennengelernt, mach es live, ich habe dich auf Hochzeiten singen hören! Ich sagte, Kutché war eine gute Erfahrung, ich folge dir.

MZ: Kutché ist heute Kult – unter Kennern.

Khaled: Das stimmt. Aber selbst Kutché hatten wir nicht live gemacht.

MZ: Aber das Repertoire und die Art zu singen ähneln...

Khaled: Nur Martin wußte, wie man meine Stimme zur Geltung bringen kann. Er wollte, daß die Stimme im Vordergrund steht. Alle meine anderen Alben waren Musik und Stimme im Verhältnis 50:50. Meine Stimme entdeckten die Leute erst auf Konzerten richtig. Aber was schlimm war: Wir machten das ohne Metronom! Er [Martin] sagte, sing wie du in deiner Heimat gesungen hast. Jazz! Um nicht durcheinanderzukommen, singe ich normal immer im Takt. Du zählst mit und weißt, wann du anfängst und wann du aufhörst zu singen. Aber da sagte er: Nein, du kriegst kein Metronom, du machst es einfach, die Band ist bereit im großen Studio Davout, singe! Ich sagte, aber wie werde ich das im Fernsehen machen, wenn ich dort einen Titel vortragen soll? Ich habe keine Lust, daneben zu singen. Soll ich nach Gehör singen oder nach dem Takt, Hilfe, ich werde Fehler machen (lacht). Er sagte, mach es wie du willst, aber mach es! Und dann wollte er auch noch die Intros!

MZ(lacht): Du kannst das doch! Tu doch nicht so, als ob du nicht improvisieren könntest, Khaled! Auf Konzerten machst du das immer...

Khaled: Seit ich in Frankreich einen Plattenvertrag habe, mache ich es wie alle Künstler hier: Nichts länger als vier Minuten!

MZ: Und auf dem neuen Album gibt es Titel, die sind acht Minuten lang.

Khaled: Du hast es kapiert. Ich hätte immer gerne Einleitungen gemacht, aber ich machte sie lieber auf Konzerten, weil da dafür Zeit war. Nicht auf einem Album. Ich sagte: Martin, das nimmt zuviel Zeit.

MZ: Aber jetzt gefällt dir das Album doch?!

Khaled: Klar. Aber du hast immer Angst, daß morgen ein Typ mein Album anhört und sagt, was macht Khaled da bloß? Ich hatte auch Angst, daß Europäer sich dem nicht anpassen. In meiner Heimat ist das kein Problem, da kann ein Lied eine Stunde lang sein, das stört niemand. Ich hatte Panik, ich hatte Angst davor, daß sie die Intros nicht mögen, daß das vielleicht zuviel ist.

MZ: Ich dachte vielmehr, daß sich über 20 Jahre nach „Kutché“ das Ohr des Europäers vielleicht entwickelt hat und daß man heute Lust hat, weniger formatierte Musik zu hören.

Khaled: Meine Erfahrung von Konzerten ist so, da kommen die Europäer manchmal und sagen, die Anfänge deiner Songs sind schön! Europäer mochten das. Aber ich wußte nicht, daß sie das auch auf einem Album mögen.

MZ: Das ist doch wunderbar. Du singst aus dem Bauch heraus, wie du fühlst.

Khaled: [Martin] weiß, daß das Jazz ist, Raï ist wie Blues. Er weiß, dass man fühlt, was gesungen wird. Aber wenn es ums Geschäft geht, dann muß man auch den Blues im Takt spielen.


Martina Zimmermann: Das Album heißt „Freiheit“, und genau darum ging es damals ab den 70er Jahren, der Raï war ein Schrei, der Durst nach Freiheit, die du in deinem jugendlichen Alter besungen hast! „Zabana“ war der erste Titel, der im algerischen Radio gespielt wurde, in der Version von Raina Rai. Das hat mir der [bekanne algerische Radio -und TV] Journalist Aziz Smati mal erzählt, der den Song aufgelegt hatte. Du hast auf deinem neuen Album die Originalversion genommen.

Khaled: Du kennst Blaoui Houari, der hat mir den Titel gegeben. Er war ein Kumpel von Zabana.

MZ Dem Unabhängigkeitskämpfer.

Khaled: Sie waren gemeinsam im Gefängnis, Zabana wurde zum Tode verurteilt. Der andere war als Künstler angeklagt, die Unabhängigkeitsbewegung zu unterstützen, aber das war sein Kumpel, sein Freund. Deshalb hat man ihm das Lied gebracht. Ein Kabyle hatte den Text geschrieben! Von Ost nach West [in Algerien]! Ein Kabyle hatte den Text geschrieben und Houari machte die Musik dazu. Houari sagte, Raïna Rai sang das Lied nicht mit dem vollständigen Text. Wir haben das Lied gemeinsam mit Blaoui auf Hochzeiten gesungen, als wir jung waren, es war sehr beliebt. Auf dem Album ist der Sound besser, aber ich nahm die Melodie und den exakten Text von damals.

MZ: Ich rede von diesem Lied, um nach der Zeit zu fragen, als die Raïmusik zensiert wurde wegen der Texte. Zabana ist ein „Märtyrer“, und deshalb konnte Aziz Smati das spielen und seinem Chef sagen: Da geht es schließlich um einen Märtyrer!

Khaled: Wenn du über einen Märtyrer singst, können sie nichts sagen. Das ist klug. Er hat wirklich Recht, Aziz. Du kennst die Geschichte des Raï, der kam nicht im Radio. Wir waren scheinheilig und sangen schöne Texte, um im Fernsehen und im Radio zu kommen (lacht).



Martina Zimmermann: Rai war verboten. Wie siehst du das heute? Du kommst auf allen Kanälen, denkst du manchmal an die Zeit, als du deine Musik verteidigen mußtest?

Khaled: Ich lache immer noch darüber, daß ich heute Nummer eins bin. Die Leute streiten sich darum, eine Sendung mit mir machen zu dürfen (lacht), das bringt mich echt zum Lachen. Ich sage mir: Schau dir das an, gestern stand ich vor der Tür des algerischen Fernsehens wie ein Hund, ein Nichts. Und jetzt sagt der große Direktor: Bitte, kannst du was für uns machen, fühle dich bei uns wie zuhause. Darüber muss ich lachen, aber ich zeige es nicht. In meinem Innersten sage ich mir, ich habe es doch geschafft! Ich habe euch dran gekriegt. (ouel dik, auf algerisch benutzt er einen härteren Ausdruck).

MZ: Martin (Meissonnier) hat dir geholfen, aus Algerien heraus zu kommen, du hast gelitten für deine Musik! Damals träumten wir alle davon, dass der Raï ein Genre wird wie der Reggae. Ist diese Aufgabe für dich erfüllt?

Khaled: Ich vermeide den Ausdruck „zurück zu den Wurzeln“. Die Wurzeln kennen die Leute jetzt, dank der Journalisten, wenn du Rai sagst, haben die Leute von Oran und Rai und Khaled gehört. Sie kennen die Geschichte, Rai kommt sogar im Lexikon. Die Leute kennen also die Wurzeln. Was wollte ich mit diesem Album beweisen? Seine Identität! Ich wollte dem Rai einen Ausweis geben. Damit man weiß: So ist Rai, nicht, was Rachid singt, nicht, was ein Ägypter singt... die Leute verwechseln alles, Tunesier, Marokkaner.

...Rai kommt aus Nordafrika, aber er ist auch andalusisch, und der Ort ist Oran, nicht Algier, und nicht die Kabylei. Der Rai kommt aus dem Dreieck Oran und Oujda [in Marokko- an der Grenze] und Sidi Bel Abbes. Warum Oran? Weil Oran eine moderne Stadt ist. Der Rai stammt aus der Provinz um Sidi Bel Abbes und Oujda. All diese Beduinen kamen damals nach Oran, um sich zu amüsieren. Sie haben diese Musik nach Oran gebracht, weil da was los war. Da gab es Juden, da gab es Franzosen, da gab es Leben!

MZ: Und heute?

Khaled: Die jungen Leute können ... ein bißchen Geschäfte machen. Die Leute können davon leben und das nährt vor allem nicht den Terrorismus. Das harte Leben nährt den Faschisten. Wir haben es in Frankreich erlebt, als die Leute Le Pen wählten. Das machte Angst. Nicht alle Franzosen sind Rassisten, aber sie wollten einen Wandel. Wie die Leute bei mir in Algerien. Du warst in Oran und hast gesehen, jeder kann sich amüsieren und sich betrinken. Glaubst du, Ben Laden und andere werden aus uns ein fundamentalistisches Land machen? Nie im Leben, das werden sie nie schaffen! Die Franzosen haben uns nicht geschafft, die Türken nicht, und ein kleines Arschloch soll unser Bled [Dorf, Land, Heimat] fundamentalistisch machen! Selbst die islamischen Terroristen haben Oran nicht angerührt, sie können das nicht, wir haben mit der Muttermilch Whisky, Ricard und Anisette getrunken (lacht sich kaputt). Man kann eine solche Welt nicht ändern. Und doch haben 99 Prozent für den FIS [die Fundamentalisten] gestimmt!

MZ: Das ist schon ein Weilchen her (1991). Algerien ist heute nicht mehr so.

Khaled: Weil ein kleiner Kluger gekommen ist, der drei Zentimeter größer ist als Napoleon, er heißt Herr Bouteflika, und ich erweise ihm die Ehre. Er hat das Leid der Jugend verstanden. Er hat das Leid dieses Landes verstanden. Er hat begriffen, daß er die Wirtschaft privatisieren mußte. Früher gab es nicht mal Bremsscheiben in diesem verdammten Land, obwohl es reich war! Es gab keine Ananas, obwohl Afrika nebenan ist. Bananen gab es nicht, obwohl sie nebenan billig wachsen. Nichts. In einem Land, das Milliarden hat [an Erdöl]!

MZ: Heute gibt es alles, aber nicht für jeden, nicht jeder kann sich die Waren leisten.

Khaled: Was jetzt besser ist: Wenn du Geld hast, kannst du auch leben. Wenn du keines hast... wir sind wie Brasilien geworden, es gibt Favelas. Zum Glück gibt es bei uns keine Entführungen. ... Früher hatten wir nur zwei oder drei Hotels. Heute gibt es jede Menge Hotels, und super gute. Und man fragt dich nicht nach der Heiratsurkunde, wenn du mit einem Mädchen ankommst! Früher gab es zu viele Verbote. Wenn ein junger Mann Hand in Hand mit seiner Freundin gehen wollte, wurde er geschlagen oder ins Gefängnis gesteckt. Warum? Was hat er schlimmes getan? Aus diesem Grund fanden die Faschisten bei uns ein günstiges Terrain.

MZ: In deinem Rai geht es um diese Freiheit. Das hoffen wir. Eine letzte Frage: Keine Skandale mehr, keine Exzesse, kein Rock´n Roll?

Khaled: Ooohh doch! (lacht) Aber heimlich (lacht sich kaputt).


Martina Zimmermann: Da bin ich aber froh.

Khaled: Weißt du, ich bin schon lange nicht mehr ausgegangen, und wenn, dann nur diskret, nicht wie früher. Weißt du warum? Es gibt keine Parties mehr wie in den 80er und frühen 90er Jahren. In Frankreich hat sich vieles geändert. Paris war besser als Las Vegas! Entschuldigung, heute wurde es wie Eckmühl in den 80er Jahren! Heute ist Eckmühl besser als Paris, sage ich dir (lacht). Du warst in Algerien, in Marokko, hast die Leute befragt, du weißt, was die jungen Leute dort wollen. Sie wollen frei leben, sie wollen tun, wozu sie Lust haben. Diese Botschaft wollte ich bringen, diese Botschaft bringe ich und ich werde sie noch auf meinem Totenbett bringen.


Der Produzent, Journalist und Musiker Martin Meissonnier: Khaled war in den Jahren 1983 bis 1985 eine Legende im algerischen Milieu in Paris. Es gab Kassetten, die wurden in Barbès [im afrikanischen Viertel] verkauft, das war der Hit. Ich hatte ihn bei einem Kumpel gehört und sagte mir, es gibt nicht 50 solche Stimmen. Ich stieg ins Flugzeug nach Algerien, um ihn zu sehen. Denn keiner konnte mir Auskunft geben, deshalb versuchte ich, ihn direkt zu treffen, um zu sehen, ob wir etwas gemeinsam machen konnten. Ich war in diese Stimme verliebt.
Ich habe ihn dann in Oran getroffen, er sang damals auf Hochzeiten und machte Kassetten, die sehr schnell an einem Nachmittag aufgenommen und gleich verkauft wurden. Er war sehr sympathisch, und er hatte ein Problem mit den Papieren, weil er seinen Militärdienst nicht geleistet hatte und konnte deshalb nicht nach Frankreich kommen. Das Regime war damals noch recht hart, der Raï war verboten im Radio und im Fernsehen. Das war ein Phänomen des Underground. Ich habe dann ein Festival in Bobigny [im Pariser Vorort, 1986] organisiert, und wir haben Kulturminister Jack Lang um Hilfe gebeten, um Khaled aus Algerien heraus zu kriegen. Wir haben das Festival organisiert, Khaled war dabei, aber auch alle anderen Raisänger, Mami, Sahraoui, Fadela, Hamid, Raïna Rai und alle.

Martina Zimmermann: Die Intros, das Akkordeon und der Gesang von Khaled und die Auswahl einiger bekannter Lieder erwecken den Eindruck, das ist Rai wie früher, „à l´ancienne“.

Martin Meissonnier: Wir haben ein Repertoire genommen mit der ganzen Palette dessen, was er kann, marokkanisch, berberisch, und puren Rai, um eine vielseitiges Album zu machen. Ich denke, das ist gelungen. Ich wollte auch zeigen, wie diese Musik klingen kann. Khaled hat die beste Band, er ist wirklich die Essenz, er ist im Zentrum dieser Musik, er ist der Beste, ich wollte sein Talent nutzen. Er ist ein unglaublicher Orchesterchef. Musikalisch ist er extrem stark. Das wollte ich nutzen, damit man spüren kann, wie diese Stimme die Band mitzieht und nicht umgekehrt.

06 Januar 2009

Tuareg in Tamanrasset: Warten auf Touristen



„Ohne den Tourismus hätten wir unsere Kultur und Traditionen schon lange vergessen!“

Mokhtar Zounga zupft seinen Tuareg-Turban zurecht. Hinter dem Felsen in Form eines Triumphbogens geht die runde orangefarbene Sonne unter, die Sanddünen leuchten in allen Beigetönen.





An dieser Lagerstätte mitten im Tassili im Hoggargebirge, etwa 275 Kilometer südlich von Tamanrasset, werden die Pariser Gäste eine Nacht unter freiem Sternenhimmel verbringen.




















Mokhtar Zounga eröffnete 1972 die erste Reiseagentur in Tamanrasset in der algerischen Saharawüste. Heute warten fast hundert Unternehmen auf Touristen. Seit dem 1. November fliegt die staatlichen Fluggesellschaft Air Algérie Tamanrasset wöchentlich direkt an: Vier Stunden Flug in eine andere Welt.







Abdelkrim
Benamed
und
Mokhtar Zounga
mit einer Freundin




Mokhtar Zounga kam in einem Tuaregzelt zur Welt, das genaue Datum weiß er nicht. Sein Vater hatte die größte Kamelherde der Region, und ab dem Alter von zehn reiste Mokhtar lange Monate mit dem Vater durch die Wüste:

„Kamele, Karawanen, Wassermangel. Immer dasselbe.“

Nicht einmal von der algerischen Revolution bekam er im Hoggargebirge viel mit, der Krieg gegen die französischen Kolonialherren endete 1962.

„Mit der Unabhängigkeit hat sich unser Leben total verändert“,

erinnert sich der Targi (so heißt der Singular von Tuareg):

„Es gab Strom, wir bekamen Schulen, und ich ging zum Militär.“

In der Kaserne sah er mit 18 zum ersten Mal eine Kaffeemaschine! Später wurde Mokhtar Zounga Polizist, er war sogar Leibwächter von Präsident Ben Bella. Dann arbeitete er wie viele seiner Landsleute aus dem Süden in der Erdölindustrie:

„Ich dachte, Geld macht glücklich.“

Tamanrasset bestand 1905, als sich der französische Missionar Charles de Foucauld hier in einer Einsiedelei niederließ, aus „drei Feuerstellen“. Hundert Jahre später ist Tamanrasset eine moderne Stadt mit 100 000 Einwohnern, Universität, Kasernen und Internetcafés, die größte Wilaya (Departement) Algeriens, ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt in der Wüste, 2000 Kilometer von der Hauptstadt Algier entfernt.

Im Norden von Tamanrasset liegt Assekrem, hier sind die höchsten Gipfel des Hoggargebirges mit über 2500 Metern. Das Tassili im Süden bietet Sanddünen und bizarre Felsen in Form von Elefanten, Schildkröten, Schiffen.




Felszeichnungen zeugen von menschlicher Präsenz vor Tausenden von Jahren. Zwischen Steinen und Sand wachsen auch gelb-grüne Grasbüschel.




















Rechtzeitig vor Sonnenuntergang halten die Tuareg an, kochen Tee im Schatten der Jeeps.

„Für den Tee braucht es ein Feuer, Zeit und Freunde“,

belehrt Mohamed Solal die Gäste.



Aus dem grünen Turban schauen nur seine braunen Augen und sein Schnurrbart hervor. Tuareg trinken drei Gläser Tee, so will es der Brauch.

„Das erste ist stark wie der Tod, das zweite süß wie die Liebe, das dritte schön wie das Leben. Und wenn du Kinder hast, trinkst du ein viertes Glas, sonst reichen drei.“

Mohamed schlürft sein zweites Glas, bietet Plätzchen an, die seine Frau Aischa gebacken hat. Er arbeitet seit 1987 mit Touristen:

„Tourismus bedeutet nicht nur, Geld zu verdienen. Du musst versuchen, die Liebe zur Wüste in deinen Kunden zu pflanzen.“


„Die Tuareg haben eine echte Kultur, Märchen, Geschichten, Literatur und Musik, und sie kennen die Wüste außergewöhnlich gut.“

Der Franzose Nicolas Loisillon ist ein Pionier in Sachen Wüstenreisen:

„Nach Algerien kommt man nicht, um sich auf einer Düne mit seinem Turban auf einem Kamel fotografieren zu lassen und dann mit dem Jeep wieder ins Luxushotel zurückzufahren. Hier ist es authentisch.“
















Auf den Spuren von Mönchen und Abenteurern wie Charles de Foucauld oder Isabelle Eberhardt reisten ab den 1970er Jahren Urlauber in Algeriens Süden, doch in den 90er Jahren kam der Tourismus wegen des Bürgerkriegs im Norden zum Stillstand. Die Tuareg überlebten dank ihrer Herden. Ab der Jahrtausendwende ging es wieder aufwärts, französische und Schweizer Fluggesellschaften flogen Tamanrasset an. Auch wenn die Entführung von Europäern 2003 einen Rückschlag bewirkte: Es trauen sich wieder Ausländer in die Sahara. Viele sind es nicht. Mohamed Solal wünscht 2-3000 Touristen im Monat, „einen „alternativen, sanften, nachhaltigen und intelligenten Tourismus.“



:
Die Saison 2008/2009 lief zögerlich an. Touristen aus Europa machen keine Unterschiede: Wird die Paris-Dakar-Rallye durch Mauretanien abgesagt, stornieren Wüstenfans die Reise ins algerische Tamanrasset. Jedes Attentat im Norden verschlechtert das Image von Algerien.

„Wenn im Norden des Landes etwas schief läuft, spüren wir das hier im Süden“,

bedauert Reiseführer Aissa Khasmi.

„Das ist, als ob Sie Kopfweh haben und Ihre Füße nicht gehen können. Obwohl die Füße gesund sind.“

Zur Sicherheit der Touristen wird das algerische Gesetz strikt angewendet: Ohne Führer darf keiner in die Wüste. Agenturen und Behörden wissen genau, wo sich ein Tourist aufhält.

„Jeder hat heute Satellitentelefon“,

erklärt Mohamed Solal.

„Wenn etwas passiert, besteht sofort Kontakt nach Tamanrasset.“



Algerien wartet auf Touristen.

Seit 2003 stieg deren Zahl von etwas mehr als einer Million auf 1,7 Millionen im letzten Jahr, doch die meisten davon sind im Ausland lebende Algerier und ihre Familien, nur etwa eine halbe Million Europäer wagten sich in das Land, das 1200 Kilometer Mittelmeerküste und römische Ruinen, Berg- und Wüstenlandschaften zu bieten hat. Auch wenn der Direktflug nach Tamanrasset nicht sofort rentabel ist: die staatliche Air Algérie unterstützt die Politik der Regierung, die bis 2025 elf Millionen Touristen empfangen möchte. Der Direktor von Air Algérie France, Abdelkrim Benahmed, rechnet bei den Wüstenflügen mit einer Belegung von 55 bis 60 Prozent:


„Da sind wir noch nicht rentabel, aber das geht.“










„Der tägliche Direktflug wird den Tourismus ankurbeln“,

hofft Bey Ben Malek wie alle Tuareg, die in Tamanrasset Reiseveranstalter sind.

„Das bringt Arbeit für Kamelführer, Köche, Chauffeure, Reiseführer. Sie haben keine großen Schulen besucht, aber sie brauchen Arbeit und wissen alles über die Wüste.“

01 November 2008

Algerische Märkte


Gerüche, Farben, Töne, Stimmen: Märkte sind typisch für die jeweiligen Orte, an denen sie abgehalten werden. Sie bekommen dort einen authentischen Eindruck von Land und Leuten, in Algier, Beni Isguen und in der Sahara.

©Rachid Dehag

Die Moschee Ketschua hat eine byzantinische Fassade aus bunten mosaikförmigen Fayence-Kacheln. Die Türken bauten sie im 17. Jahrhundert, danach veränderten die jeweiligen Herrscher Algiers das Gebäude je nach Zeitgeschmack. Die französischen Kolonialherren machten daraus eine Kathedrale, und seit der Unabhängigkeit 1962 ist die Kirche wieder eine Moschee. Ihre beiden Minarette thronen über dem Platz am unteren Ende der Kasbah, der Altstadt von Algier. Vor der Moschee findet jeden Tag ein Markt statt, auf dem es alles nur Erdenkliche zu kaufen gibt: Obst und Gemüse, Erdnüsse und Brot, Olivenöl... aber auch Motorenöl, Gebrauchtwaren jeder Art wie Couscous-Töpfe, Handys und Hosen, Schuhe, von denen manche nicht einmal geputzt sind. "Möchten Sie eine Mispel?" fragt Zahia, eine Beamtin, die hier das Essen für ihre Familie einkauft:

"Hier haben Sie das echte Algerien, das ist ein Viertel des kleinen Volkes. Hier wohnen nicht die oberen Klassen in schönen Villen mit Autos und Chauffeur. Hier mutet es ein bisschen ärmlich an, hier sehen Sie Algerien von unten. Allerdings sind auch die Preise niedriger."

©Rachid Dehag


Wie die Franzosen vor der Einführung des Euro in alten Franc rechneten, zählen die Algerier in Centimes von Dinar. Das ergibt Preise mit vielen Nullen auf den Schildern an Obst und Gemüse. Umgerechnet kosten die Waren nur ein paar Cent - fast gar nichts für den europäischen Geldbeutel.

Auch wenn Schlagzeilen über Bomben und Attentate immer noch das Image von Algerien bestimmen: Viel typischer für das Land sind die Freundlichkeit und die Gastfreundschaft der Menschen, meint Zahia:

"Jahrelang war die Lage in Algerien nicht gut, das darf man nicht verbergen. Aber jetzt geht es besser. Die Menschen sind nicht aggressiv, das spüren Sie doch, oder etwa nicht?"

Anders als in Marokko oder Tunesien wird in Algerien nicht gefeilscht. Eine Frage des Stolzes? Schließlich haben die Algerier ihre Unabhängigkeit mit einem blutigen Krieg gegen die französischen Kolonialherren erkämpft. Damals war Algerien ein Vorbild für die gesamte sog. „Dritte Welt“! Heute bringt der Erdölvorrat Milliarden in die Staatskassen.


©Kader Selmet



Auf dem Markt von Beni Isguen werden die Waren versteigert: Eine Leiter, Fensterrahmen, eine High-Tech-Nähmaschine, Türen. Ein nagelneues Fahrrad glänzt in leuchtendem Blau. Auf der Waschmaschine und auf dem Schwarz-Weiß-Fernseher sind Zettel angebracht: „Funktionieren bestens“. Der Händler Rum Baba Ali behauptet, dass die Versteigerungen dem Wohl der Allgemeinheit dienen:

"Die meisten Frauen bei uns weben, schneidern oder sticken, und auch sie bringen uns ihre Waren. Wir helfen also der Hausfrau. Und wenn jemand gestorben ist, bringen die Nachkommen die Sachen, um Probleme unter den Erben zu vermeiden. Das ist sozial, und das macht den Charme des Marktes aus."


©Kader Selmet


Beni Isguen gehört zu Ghardaia und dem M´Zab-Tal, an der Pforte der algerischen Saharawüste, 600 Kilometer südlich von Algier. Der Marktplatz liegt inmitten der Festungsmauern. Enge Gassen führen von hier auf einen Hügel zur Moschee. Von dort aus reicht die Aussicht über das ganze Tal: Sieben Orte, umgeben von Palmenhainen und Oasen. Die Pyramidenform der ineinander verschachtelten, fast 1000 Jahre alten Häuser hat Architekten aus aller Welt inspiriert. Die Einwohner, Mozabiten genannt, haben eigene, besondere Traditionen, zu denen die Versteigerungen gehören. Auf den Treppenstufen um den Marktplatz sitzen Männer in weißen Tuniken mit einer weißen Kopfbedeckung, unter ihnen Omar.

"Der Eigentümer gibt einen Preis vor. Der Händler geht herum und wenn er den gewünschten Preis erzielt, verkauft er. Wenn nicht, fragt er den Besitzer, ober er zum gebotenen Preis verkaufen will. Der darf dreimal nein sagen, danach muß er entweder den Preis akzeptieren oder sein Objekt zurücknehmen und eine Kommission zahlen."

©Kader Selmet

Zu den Besonderheiten dieses Ortes gehört auch, dass die verheirateten Frauen ein weisses Tuch so um den Kopf schlingen, dass nur ein Auge durch ein Dreieck herausschaut. Wie seltsame Vögel huschen sie mit ihren gefüllten Einkaufstaschen durch die Gassen. Daneben gehen unverheiratete Frauen in westlicher Kleidung.

Auch die Verschleierten haben ein Handy in der Tasche. Die Algerier sind verrückt nach den neuesten Modellen. Das meiste Gedränge herrscht in der Ecke des Marktes, in der Männer stolz die Klingeltöne vorführen.

©Rachid Dehag

In den Gassen von Ghardaia ist ein „Souk“, ein Bazar mit vielen Geschäften. Hier gibt es Haushaltswaren und Handwerkskunst: Teppiche, Taschen, Sandmalereien füllen die Regale der Boutiquen. Aus Säcken duften farbige Gewürze und frische Kräuter, Zutaten für die leckeren Gerichte des Landes. Kuskus ist die Nationalspeise aus Grieskörnern. Es werden auch riesige braunschwarze Trüffel angeboten oder die Erbsen aus Bousaada, die berühmt sind für ihren leckeren Geschmack. Eine Spezialität hier im Landesinnern ist der natürlich gesalzene Hammel aus der Region um Biskra. Vor dem Metzgerladen steht Djilali Messaouda, der aus Biskra stammt. In den 70er und 80er Jahren reiste der Algerier durch ganz Europa, er war sogar mal bei Nina Hagen in Hamburg zu Gast und hat mit dem französischen Chansonnier Leo Ferré in Paris Kaffee getrunken! Doch es zog ihn zurück in die Heimat:

"Wir haben hier Sonne und alles, was wir brauchen. Und Ruhe! Wenn wir den Blues haben, gehen wir in die Palmenhaine oder in die Wüste. Dahin, wo die Luft rein ist und wo es keine Verschmutzung gibt. Wir essen bio! In Dublin war ich in einem Health Shop, da wurden Bioprodukte, die wir hier kiloweise kaufen, sehr teuer löffelweise verkauft! Auch unser Fleisch ist köstlich. Wir haben die schönsten Hammel der Welt!"

©Rachid Dehag

Bechar liegt Im Westen der Sahara, nahe an Marokko. Die Kasernenstadt ist berühmt für Gnawa-Trance-Musik, die maghrebinische und afrikanische Rhythmen vermischt. An den Nachbarort Taghit [sprich Tarit] grenzen die schönsten Sanddünen der Sahara! Der wichtigste Markt der ganzen Region ist der Automarkt von Bechar. Auf einem riesigen Parkplatz am Ortsausgang stehen die Gebrauchtwagen.
Mabrouk Deradji trägt die traditionelle Tunika von Bechar und einen Turban, der ihn vor der Hitze schützt. Er kommt jedes Wochenende auf den Automarkt: Das sind in dem islamischen Land der Donnerstag und der Freitag.

"Der Markt beginnt jeden Donnerstag nachmittag und kann bis Freitag abend dauern. Jedes Wochenende findet er statt. Manche Leute kommen von weit her, sogar aus Algier, auf der Suche nach einem guten Gebrauchtwagen."

Das Baujahr eines Autos ist auf seinem Nummernschild zu lesen. Früher (-in den 70er und 80er Jahren des letzten Jahrhunderts-) brachten Globetrotter aus Europa ihre alten Gefährte nach Afrika, verkauften sie und finanzierten so ihren Urlaub. Heute geht das nicht mehr. Der Import von Wagen, die älter als drei Jahre sind, ist verboten.

Die Preise für Gebrauchtwagen liegen umgerechnet zwischen 3500 und 4500 Euro. Für den Durchschnittsverdiener sind das fast zwei Jahreseinkommen! Amar Ablaziz erklärt:

"Manche Leute können sich ein Auto leisten, andere nicht. Das ist wie bei euch in Europa, da kann sich auch nicht jeder ein Auto kaufen. Aber wer es sich leisten kann, kann heute seinen Neuwagen direkt in Algerien bestellen. Es gibt Autohäuser, in denen Neuwagen verkauft werden, nicht wie früher. Algerien hat sich geändert, ist kapitalistisch geworden. Zur Zeit des Sozialismus gab es keine Neuwagen. Heute hat sich der Markt geöffnet."

In den Großstädten im Norden von Algerien verstopfen nagelneue Autos die Straßen und sorgen für fürchterliche Staus. Doch hier im Süden sind alte Autos durchaus noch gefragt: Denn die kann man noch reparieren! Abdullah verkauft Ersatzteile: Ringe, Motorteile, Drähte, Ketten, Ölkanister, Filter.

"Hier gibt es Sandstürme, und die elektronischen Systeme halten hier nicht lange durch. Das ist das Problem. Sand und Hitze sind für die moderne Elektronik ein Problem, da gibt es immer wieder Pannen. Dann muss man in die Vertragswerkstätten gehen, wo Typen sind, die ausgebildet werden für diese Teile. Aber in den kleinen Städten kennen sich da nicht viele aus."

„Achtung! Kamele überqueren die Fahrbahn!“ signalisiert das dreieckige Schild mit dem roten Rand und einem Kamel im Innern; Es steht am Ortsausgang von Bechar.

©Rachid Dehag

Obwohl der Jeep die Kamele als Transportmittel weitgehend ersetzt hat, haben die Tiere für die Tuareg eine große Bedeutung. Abdelkader Regagda fährt im Jeep – zu seiner Kamelherde in der Wüste:

"Mit Kamelen kannst du leben, nicht aber mit einem Auto. Wenn es eine Panne hat und dir das Ersatzteil fehlt, hat es keinerlei Charme mehr."
©Rachid Dehag

©Rachid Dehag

©Rachid Dehag

14 Juli 2008

Algerische Nacht auf dem 1. Jordanfestival



Rai und andere Musikstile aus Algerien präsentierte das erste Jordanfestival, das seit dem 8. Juli und bis zum 9. August 2008 an mehreren Orten in Jordanien stattfindet, ansonsten mit internationalen Opernstars wie Placido Domingo oder Julia Migenes, dem Karoier Symphonieorchester und Jazzsängerin Diana Krall und populären Stars der arabischen Welt.



Eine algerische Nacht brachte die Raisänger Khaled und Faudel, Sängerin Biyouna aus Algier und das Orchestre National de Barbès aus Paris nach Jordanien ins römischen antike Theater von Jerash. "Ich freue mich, hier als Algerier aus dem Maghreb seit 'Didi' akzeptiert zu sein", erklärte Khaled. Auf einer Pressekonferenz mußte sich der "König des Raï" allerdings rechtfertigen, weil er schon in Israel aufgetreten ist! Im Vorfeld des Festivals hatte es eine Polemik um die französische Agentur gegeben, die Shows und Ausstellungen organisiert. Erst als die jordanische Regierung versicherte, daß enge Beziehungen zu Israel Gerüchte seien, verstummten Boykottaufrufe, und das Festival konnte mit Begeisterungsstürmen über die Bühne gehen. Khaled rief in dieser von Krisen und Krieg geschüttelten Region zum Dialog auf:

"Nur wenn die Verantwortlichen miteinander sprechen, wird unsere Welt Frieden finden." Lachend fügt Khaled hinzu: "Unsere Bomben sind unsere Lieder!"

Auch Faudel freute sich: "Dass ich als Franzose algerischer Herkunft aus einer Vorortsiedlung hier bin, da liegt ein weiter Weg hinter uns."



Diana Krall sang neben dem Herkulestempel aus dem 2. Jahrhundert vor Christus. Die jordanische Hauptstadt Amman lag ihr zu Füßen auf der Freilichtbühne der Zitadelle, wo sie das Festival eröffnete: "Es ist aufregend, erstaunlich, meine Musik mit einem Publikum aus einer anderen Kultur zu teilen." erklärte die kanadische Jazzpianistin: "Hoffentlich stimmt mein Timing, damit ich rechtzeitig eine Pause mache, wenn der Muezzin zum Gebet ruft!"



Als der "Allah"-Aufruf zum Gebet durch die Stadt über die 23 Hügel schallte, verstummt Diana Krall für ein paar Minuten, und die rund 2000 Jazzfans lauschten andächtig dem Muezzin. Etwa zur gleichen Zeit erreicht die Stimmung ihren Höhepunkt im antiken römischen Amphitheater in Jerash, eine Autostunde von Amman entfernt. Hier traten am selben Abend Stars aus der arabischen Welt auf.

Es sei ein besonderes Festival für ihn, erklärt Jordaniens berühmtester Sänger Omar Abdullat, weil es in seiner Heimat stattfinde. Er sei stolz, dabei zu sein und sehr froh, daß Leute aus anderen arabischen Ländern und aus der ganzen Welt kommen. Georges Wassouf ist in der gesamten arabischen Welt ein Megastar.

"Wir haben ein breitgefächertes Publikum und können in der ganzen Welt spielen", sagte Mehdi vom Orchestre National de Barbès. "Wir wollen Jordanien unseren Rock nahebringen, gemischt mit Liedern aus dem Maghreb. Mal sehen, wie sie reagieren."

Raten Sie mal, wie das Publikum reagierte? Begeistert!

30 Juni 2008

17 Hippies in Algerien: "Algerien rockt!"

Mit diesen Worten beschreiben die deutschen Musiker ihre erste Algerienerfahrung auf ihrer Webpage.


Christopher, Uwe, Henry und Daniel bei der Probe mit der Band "Djmawi Africa" aus Algier am 9.5.2008 in der Salle Ibn Zeydoun.


Kiki mit Jugendlichen aus Tlemcen nach dem Konzert in der Maison de la Culture am 11.5.2008.



"Algerien ist für uns eine unglaubliche Entdeckung gewesen. Das Publikum hat mit uns gefeiert, wie wir es niemals erwartet hätten und wir haben erstaunliche Menschen und Musiker kennen gelernt."



27 Mai 2008

Algerien: Reisen, Urlaub, Tourismus und allgemeine Infos: Reise vom 5.-15. Mai 2008 mit dem Raid Harley-Davidson#links

Algerien: Reisen, Urlaub, Tourismus und allgemeine Infos: Reise vom 5.-15. Mai 2008 mit dem Raid Harley-Davidson#links
http://www.elwatan.com/spip.php?page=article&id_article=93645

17 April 2008

"Mehrere Länder in einem Land": Reiseland Algerien








Ausschnitte einer Sendung für Deutschlandradio









"Willkommen! Djemila ist seit 1982 Weltkulturerbe. Djemila wurde 89 gegründet, im ersten Jahrhundert nach Jesus Christus, von Kaiser Nerva Augustus. Der antike Name ist Cuicul. Djemila ist wirklich anders als die anderen archäologischen Ausgrabungstätten in Algerien, wegen seiner geographischen Lage in der Höhe. Und wegen seiner Schönheit! Djemila heißt auf arabisch die Schöne, die Schönheit."


Mit diesen Worten führt Amar Chaib Besucher durch die römischen Ruinen, die in einem Tal liegen inmitten von über 1100 Meter hohen Bergen.


Römische Säulen ragen neben Bäumen in den blauen Himmel, die Tempel liegen inmitten von hoch wachsendem Gras, um das antike Theater blühen Dotterblumen und Löwenzahn, in den phantastisch erhaltenen Thermen wachsen Veilchen und Mohn. Djemila hat den Charme eines etwas verwilderten Freiluftmuseums. Der deutsche Journalist Thomas Hasel ist zum ersten Mal in Algerien:

"Wir kennen fast die ganze Welt über Fotos, über Film, über Fernsehen, über Bilder. Aber Algerien kennt man aus Deutschland kaum. Man kennt kaum Bilder außer politischer Terrorismus usw. Und dann kommt man an den Ort, vollkommen unbekannt, und er ist grandios. Also ich finde den vergleichbar mit Pompei, mit römischen Ausgrabungsstätten, ich bin sprachlos. Ich bin empört, daß ich bisher noch nichts darüber wußte, daß es das hier gibt. Daß es nicht mehr Werbung dafür gibt, daß es so unbekannt ist." Schulkinder besuchen die Ruinen



"Auf der anderen Seite ist das natürlich die große Besonderheit, der Charme, und der Reiz, der das hier ausmacht. Man sieht fast nur algerische Touristen, was auch nicht schlecht ist. Nicht 5000 Busse mit Spaniern, Deutschen und Engländern. Das ist einer der Orte, den man gesehen haben muß einmal im Leben."

"Wir haben also die Römer rausgeworfen. Die Vandalen kamen. Wir haben sie hinausgeworfen. Die Araber kamen. Sie haben uns hinausgeworfen. Sie haben uns drangekriegt. Da sie die gleiche Hautfarbe hatten wie wir, haben wir sie nicht kommen sehen. Sie haben sich mit uns vermischt, und bis heute wissen wir nicht, wer sie sind und wer wir sind. Einige Jahrhunderte später kamen die Portugiesen, wir haben sie rausgeworfen, die Spanier kamen, wir haben sie rausgeworfen, die Engländer wollten kommen. Sie sind leider nicht gekommen. Die Türken sind gekommen, wir haben sie hinausgeworfen. Die Franzosen sind gekommen, wir haben sie hinausgeworfen. Entschuldigung!"


Mit Humor und unter dem Gelächter des Publikums erzählt der algerische Komiker Fellag die Geschichte seines Landes, die von zahlreichen Invasionen geprägt ist.


Auf ihren Spuren findet man Grabmäler der Berber und Numiden, die Geburtsstätte des Heiligen Augustinus, der im vierten Jahrhundert nach Christus Bischof des heutigen Annaba war! Seine Überreste sind in der Basilika, die Ende des 19. Jahrhunderts zu seinen Ehren in Annaba erbaut wurde. Der Philosoph studierte in Madauros, auch diese römische Ruinenstadt liegt in Ostalgerien inmitten von Feldern mit rotem Mohn und Silberdisteln; daneben weiden Schafe in unberührter Natur.
Ein Großteil der Schätze liegt noch unter der Erde. Archäologen aus aller Welt kommen zu Ausgrabungen nach Algerien.


Timgad ist die zweitgrößte römische Stadt nach Pompei! Adel Minina zeigt das Forum, die 4000 Plätze im Amphitheater, wo jeden Sommer ein Musikfestival stattfindet. Der Triumphbogen ist das wichtigste Denkmal der Stadt, in der ab 100 nach Christus römische Legionäre im Ruhestand lebten. Der französische Archäologe Roger Hanoune erklärt:

"Die Besonderheit von Timgad ist, daß man in dieser römischen Stadt die außergewöhnliche Regelmäßigkeit sieht, die Symmetrie. Dieser völlig künstliche Städtebau ist in gewisser Weise sehr kurios, denn da ist nichts Natürliches, wo sich eine Stadt spontan entwickelt wie andere römische Städte.
Aber nur das alte Herz der Stadt, das aus 100 nach Christus stammt, ist perfekt geometrisch. Ein paar Jahrhunderte später vergrößerte sich die Stadt natürlich und spontan. Wenn man den Plan von Timgad anschaut, kann man sagen, es ist der Triumph des geometrischen Städtebaus, aber man kann auch sagen, das ist das perfekte Beispiel, daß dieser zum Scheitern verurteilt ist!"



Auch die Aussicht auf das umliegende Aures-Gebirge ist außergewöhnlich. Doch auch in Timgad sind nur ganz vereinzelt Touristen anzutreffen. Der Österreicher Richard Röder:

"Es ist wirklich überwältigend. Ich war bei vielen römischen Ausgrabungen, die sehr schön waren, aber in dieser Größenordnung und soviel noch erhalten habe ich noch nicht gesehen. Das ist wirklich ganz toll. Ich bin echt begeistert."
Die meisten Besucher sind Algerier. Denn die reisen gerne, auch im eigenen Land. Sie machen den Großteil der über zwei Millionen Urlauber im Jahr aus. Ein Student aus dem Norden schlendert mit seiner Freundin durch die Ruinen:

"Wundervoll, wunderbar, außergewöhnlich! Jedesmal, wenn du in Algerien verreist, könntest du meinen, du bist in einem anderen Land. Hier ist es nicht wie bei mir zu Hause in der Kabylei! Und im Süden könnte man glauben, woanders zu sein und nicht in Algerien. Alles ist anders, es gibt andere Berber, andere Kulturen, andere Sehenswürdigkeiten als bei uns im Norden. Ich habe als Heimat mehrere Länder in einem einzigen Land!"


Vom Mittelmeer – 1200 Kilometer Küste mit Städten wie Algier, Oran, Annaba oder Constanine - bis in die Saharawüste erstreckt sich Algerien, fünf Mal so groß wie Frankreich. Timgad liegt zwischen Meer und Wüste, im Aures-Gebirge, dessen höchster Berg 2 327 Meter hoch ist.


"Das ist unser traditioneller Kuchen. Hirsekörner, die zuerst in der Pfanne gebraten und dann mit zerdrückten Datteln vermischt werden, mit natürlicher Ziegenbutter. Aus dem Teig werden Vierecke geformt. Das soll Glück bringen, Sie müssen das probieren!"

Smail Nouri ist Lehrer im Ruhestand. Er empfängt ausländische Besucher im Rathaus von Arris im Aures-Gebirge. Smail trägt einen lila Schal und eine Baskenmütze, sieht eigentlich eher aus wie ein französischer Künstler der Nachkriegszeit. Er wurde als Franzose geboren, vor der Unabhängigkeit Algeriens.

Heute führt Smail zur Schlucht Tighanimine: Hier begann der Krieg um die Freiheit, als am 1. November 1954 ein französisches Lehrerehepaar überfallen wurde: Der offizielle Beginn des Algerienkriegs, der bis 1962 dauerte.
Auf diese ihre „Revolution“ sind die Algerier heute noch stolz:

"Das Volk mußte aufstehen und halt sagen zur kolonialen Unterdrückung durch die Franzosen, um frei zu leben. Es gab Krieg, die Algerier wurden damals gefoltert. Manche hatten keinerlei Rechte in ihrem eigenen Land. Sie durften arbeiten und essen, aber ihr Land gehörte ihnen nicht mehr. Sie arbeiteten für Kolonialherren."



In Algier ist das „Museum der Märtyrer“, sein Denkmal der für die Unabhängigkeit Gefallenen ist weithin sichtbar. Bei Staatsempfängen werden hier Kränze niedergelegt.
Unter dem eiffelturmförmigen Denkmal wird im Museum die Geschichte der algerischen Revolution dargestellt, der Widerstand gegen die Kolonialherren ab 1830 bis hin zum Befreiungskrieg ab 1954. Am 5. Juli 1962 feierte das Volk in den Straßen von Algier die Unabhängigkeit, es ist der Nationalfeiertag.

16 April 2008

Dynamisches Algerien

Foto: ©Rachid Dehag


Mit einem Erdölpreis von über 100 Dollar verzeichnet Algerien gigantische Einnahmen: Knapp 53 Milliarden USDollar 2006. Algerien ist die zweitgrößte Volkswirtschaft in Afrika, mit einem PIB von über 4000 Dollar und einem Wirtschaftswachstum von fünf Prozent. Die wachsenden Devisenreserven (Oktober 2007: ca 90 Mrd. USD) erlaubten einen rasanten Abbau der Auslandsschulden auf vier Milliarden Dollar, nicht einmal ein Zehntel der Staatsschulden Frankreichs. Die Privatisierung schreitet voran in dem ehemals sozialistischen Land, das meist nur dann in die Schlagzeilen gerät, wenn ein Terroranschlag stattfand. Doch nach den 90er Jahren des Terrors befindet sich das Land im wirtschaftlichen (Wieder-)Aufbau. In Algerien werden Geschäfte gemacht. Auch der Tourismus soll entwickelt werden.




Diskussionen auf den Assises Nationales du Tourisme, die diesen Februar in Algier stattfanden
Foto: ©Rachid Dehag
Foto: ©Rachid Dehag

Promotion auch auf einem Galaabend in Paris anlässlich der Tourismusmesse Mondial du Tourisme:
Foto: ©Rachid Dehag
Foto: ©Rachid Dehag





Algerien will Anteil haben am Tourismus, der im letzten Jahr weltweit ein Wachstum von sechs Prozent verzeichnete. Das Land hat einiges zu bieten: Der größte und landschaftlich interessanteste Teil der Sahara liegt in Algerien – die Wüste macht vier Fünftel der Gesamtfläche des Landes aus. Algerien bietet römische Ruinen und unberührte Natur. Trotz 1200 Kilometer Küste empfängt Algerien bisher nur ein (mickriges) Prozent der Mittelmeertouristen. Elf Millionen sind das Ziel von Tourismusminister Cherif Rahmani, der auch für Umwelt und Landbebauung zuständig ist - allerdings erst in relativ ferner Zukunft: 2025!

"Unser Land ist im Aufbau begriffen, wir können nicht im kommenden Juni hunderttausende von Touristen herholen. Wir wollen heute geduldig die Grundlage bauen, es braucht Infrastruktur und Personal und keine großen Ankündigungen oder auffällige Werbung ohne was dahinter."



Die bestehenden Hotels sind heute schon ausgebucht, vor allem im Sommer, wenn die Algerier selbst Urlaub machen im eigenen Land. Aus dem Ausland kamen 2007 rund 1,7 Millionen Urlauber. Die meisten davon sind im Ausland lebende Algerier und ihre Familien. Etwas mehr als eine halbe Million Europäer wagten sich nach Algerien; meist Geschäftsleute, die in den Hotels von internationalem Standard absteigen. Das Sheraton liegt im sog. Club des Pins von Algiers. Am Eingang des Hotels müssen Besucher und Gepäck durch Sicherheitsschleusen wie am Flughafen. Hans-Jörg Kreitner, Chef des Hotels, ist ein Österreicher:

"Wir machen schon Kontrollen, die aber an und für sich heute auf der ganzen Welt üblich sind. Es ist nichts neues, ob das Hotel in Europa steht oder in Asien oder hier. Es gibt gewisse Sicherheitsstandards, und die haben wir hier voll eingeführt.
Das ist in sehr vielen Hotels gang und gäbe. Oft sind die technischen Geräte etwas feiner als wie bei uns im Moment hier, daß Sie das nicht einmal mitbekommen und nicht sehen. Aber diese Dinge sind heute Standard."



Auf dem über 30 Kilometer langen Weg vom Club des Pins ins Stadtzentrum von Algier sind immer wieder Polizeisperren, aber vor allem sieht man Baustellen: Hochhäuser werden errichtet, an der Metro wird gebaut, die Bucht von Algier wird renoviert, die Kasbah, die Altstadt restauriert, eine Straßenbahn ist in Planung. Djamel Zenguine von der Nationalen Agentur für ausländische Investitionen. :

"Mit den Einnahmen aus dem Erdöl bauen wir eine Infrastruktur, Straßen, Zugstrecken, Flughäfen, Häfen etc. Mit öffentlichen Geldern bauen wir die nötige Infrastruktur für Investoren. Algerien ist heute eine riesige Baustelle, so daß sich unsere Ehefrauen beklagen, daß zuviel Staub in die Wohnungen hereindringt. Überall werden Gebäude gebaut, Straßen, Wohnungen, Fabriken. Algerien ist heute ein echte Baustelle unter freiem Himmel."




Tourismus, Industrie, Landwirtschaft, Fischfang oder Umweltsektor sind in Algerien aufzubauen. Ausländische Investoren geben sich in den Kabinetts der Ministerien die Klinke in die Hand. Die Europäer sind an zweiter Stelle.

Die größten Summen investieren die Companies aus den Golfstaaten: Milliardenschwere Immobilienprojekte für luxuriöse Hotelkomplexe am Meer, deren Modelle an die neue Architektur in Dubai erinnern, kolossal und mit viel Beton.

Minister Rahmani erklärt:

"Wir lassen überall 80 Prozent für Grünflächen. In einer städtischen Zone muß es Zeichen von Modernität geben. Ob Ihnen das gefällt oder nicht: Alle Großstädte der Welt bauen in die Höhe, schauen Sie die Projekte in Paris, New York oder London. Man kann uns nicht vorwerfen, auch Hochhäuser zu bauen. Aber ich betone: dieses Wachstum zum Himmel muß unbedingt von Qualität und auf bestimmte Orte begrenzt sein."


Wird das Volk etwas haben von dem Aufschwung? Allein der Tourismus soll 200 000 Arbeitsplätze schaffen. Für den Bau des neuen Stadtparks in Algier, der größer sein wird als Central oder Hyde-Park, werden 24 000 Menschen eingestellt, heißt es von offizieller Seite.
Algerien zählt über 34 Millionen Einwohner, zwei Drittel davon sind unter 30 Jahren. Bis 2050 werden es 50 Millionen sein. Die Bevölkerung ist in den Großstädten der Mittelmeerküste konzentriert, was zu Staus führt, zu Wohnungsnot; Umweltprobleme schafft. Deshalb werden im Süden vier neue Städte gebaut, von einer Größe zwischen 100- und 400 000 Einwohnern! Ob die jungen Städter aber am Rand der Wüste Landwirtschaft betreiben wollen? Farid Bensebaini, der für die sog. „Neuen Städte“ zuständig ist:

"Es gibt bereits erstaunliche landwirtschaftliche Flächen. Sie werden sich wundern, es ist dort grüner als sonstwo. Es gibt die besten Orangen der Welt. Sie werden Kühe entdecken, die auf die in der Schweiz nicht eifersüchtig zu sein brauchen, und das mitten in der Wüste. Dort sind die größten Wasserreserven im nördlichen Afrika. Das Wasser kommt fast von allein aus dem Boden und hat Qualität."

Die Zukunftsmusik ist so vielversprechend, daß auch die deutsche Wirtschaft immer mehr Interesse zeigt an dem Land. 2006 wurde die Deutsch-Algerische Handelskammer in Algier eingeweiht. Sie rechnet mit einem enormen Wachstumspotential, einem gigantischen Nachholbedarf und einer rasant steigenden Nachfrage an Konsumgütern. [Vor allem im Umweltbereich genießt „Made in Germany“ hohes Ansehen. Mit deutscher Hilfe hat sich Algerien die modernste Umweltgesetzgebung von ganz Afrika gegeben. Doch es bleibt noch viel zu tun, meint Dr. Hans Karpe, der Leiter des Büros der Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit in Algier:

"Algerien ist extrem schwer. Es hat die Phase des Freiheitskampfes hinter sich, der 1,5 Millionen Tote gebracht hat. Es hat die Phase der Arabisierung hinter sich mit verheerenden Folgen fürs Ausbildungssystem. Es hat die Phase des Sozialismus hinter sich, wo wir in Deutschland auch wissen, was das bringt. Es hat die Phase des Fundamentalismus hinter sich, und Relikte sind überall noch in irgendeiner Form vorhanden."

22 Februar 2008

Reise vom 5.-15. Mai 2008 mit dem Raid Harley-Davidson



7. Mai: Algier – Bou-Saada (280 km): Morgens Spazierfahrt durch Algier, von Bab El Oued bis Notre Dame d’AFRIQUE,



dannAbfahrt Richung Bou-Saada, über Berge und Hochebenen, Mittagessen auf einem Berg; Abendessen im wunderschönen Hotel Kerdada, Pause am Swimmingpool.




8. Mai: Bou-Saada – Ghardaîa (420 km): Strasse mit Aussicht auf Palmenhain und Stadt, Berge und Pinienwald, Kaffeepause in ain Roumia, Mitagessn in Laghouat. Durch Oasen und Berge des MZAB.



Aussicht auf GhardaÏa, Besuch von Beni Isgen, seit 1982 UNESCO Weltkulturerbe. Traditionelle Hochzeitsfeier.

9. Mai: Entweder der Rallye hinterher nach Timimoun (630 km) in und durch die Wüste – lang, aber schön! – oder Aufenthalt in Ghardaïa und dann direkt Fahrt nach Tlemcen und Oran, wo wir auf die Motorradfahrer „warten“, bei Sightseeing und Spaziergängen.

[Rallye: 10. Mai Timimoun – Beni Abbes (350 km) Wüste, Dünen, Oasen





11. Mai Beni Abbes – Taghit – Bechar (240 km) dto.

12. Mai Bechar – Tlemcen (560 km): Die Strasse der Ksour]

13. Mai Tlemcen – Aîn Temouchent – Oran (185 km): Der Westen und die Mittelmeerküste, durch Berge und kleine Dörfer; Besuch von Santa Cruz, Kirche auf dem Berg über Oran, Fisch und Meeresfrüchte zu Mittag. Durch Oran zum Hotel, Baden und Ausruhen.

14. Mai Oran

Foto: F. Castel
Foto/ F. Castel
Foto: F. Castel

– Mostaganem – Chlef – Tenes – Cherchell – Tipaza – Algier (40 km), durch Berge am Meer entlang; vobei an römischen Ruinen. Sidi Fredj, wo die Franzosen 1830 landeten.
Galaabend im Hotel



15. Mai: Rückflug

Ab der Ankunft in Algier Halbpension im Doppelzimmer mit Musik und Show am Abend, Hochzeit in Gardaïa; „Volksempfang“ in den jeweiligen Orten mit Imbiss und Folklore 1500 Euros Pro Person.
Es besteht die Möglichkeit, früher zu kommen und Algier zu besichtigen oder später abzufahren – jeweils gegen Aufpreis je nach Hotel.

30 Dezember 2007

Die algerische Sahara: Eine der schönsten Wüsten der Welt


©Rachid Dehag
©Rachid Dehag
© Rachid Dehag
© Rachid DEHAG

November bis März ist eine günstige Reisezeit für die Wüste. Die algerische Sahara gilt als eine der schönsten Wüsten der Welt, als eine Art prähistorisches Freiluftmuseum mit bizarren Felsen und hohen Gebirgen und Sanddünen.
Künstler und Schriftsteller haben sie bereist, die legendären „blauen Männer“, die Tuareg, beschrieben, von Gazellen und Felszeichnungen berichtet.




Tamanrasset, 2000 Kilometer südlich von Algier. Die Straße ins Zentrum führt an einer weiß gestrichenen Kaserne vorbei. Sie ist von Schatten spendenden weißen Arkaden gesäumt, die frisch renoviert sind. Links ist das Stadion, rechts der Bahnhof. Die Häuser im alten Zentrum leuchten in der Nachmittagssonne in braunen und orangenen Farbtönen; sie sind aus Lehm gebaut. Auf dem Platz des 1. November steht eine bizarr gebeugte Tamariske. Sie war Anfang des 20. Jahrhunderts der einzige Baum in Tamanrasset, aber damals bestand der Ort nur aus ein paar Strohhütten zwischen zwei ausgetrockneten Flußbetten am Fuß des Hoggargebirges.


Abdelkader Hiri führt durch das erste Haus des Ortes, die Einsiedelei des französischen Missionars Charles de Foucauld, die 1905 gebaut wurde.: "Vor einem Jahrhundert, als Charles de Foucauld ankam, gab es 20 Feuerstellen, wie er sagte. Wenn man drei Leute pro Feuer rechnet, gab es damals 60 Einwohner. Heute, über ein Jahrhundert später, sind es 78 000." Eine besondere Attraktion sind die Kamelrennen, die in Tamanrasset jeden Freitag im ausgetrockneten Flußbett Oued Sersouf stattfinden. Brahim Damerna organisiert die Rennen: "Es braucht Geschwindigkeit, Ausdauer und Kraft, um zu gewinnen. Und die Kamele müssen gut dressiert sein, um in einer solchen Menschenmenge auf der Bahn zu bleiben." Die Einwohner von Tamanrasset feuern Tiere und Reiter an, die Kamele rennen mit angelegten Ohren und schlabbernden Lippen über die Rennbahn und wirbeln Staub auf. Die Reiter sitzen mit den Füßen nach vorne auf dem Höcker, schwingen ihre Rute und wackeln im Rhythmus des Tribbelgalopps der Kamele. Das sieht graziös aus, und witzig. Obwohl der Jeep die Kamele als Transportmittel weitgehend ersetzt hat, haben die Tiere für die Tuareg eine große Bedeutung.



Abdelkader Regdagda hat eine Reiseagentur mit fünf Jeeps - und eine Kamelherde: "Mit den Kamelen kannst du leben, nicht aber mit einem Auto. Wenn es eine Panne hat und dir das Ersatzteil fehlt, hat es keinerlei Charme mehr. Im Winter nehme ich das Auto, für meine Reiseagentur. Aber im Sommer reise ich auf Kamelen in die Wüste, mit meiner Familie oder meinen Freunden. Dann bleibt das Auto in der Garage. Das sind unsere Ferien." Auf dem alten Markt, auf dem auch Teppiche und Schmuck der Tuareg verkauft werden, geht es kosmopolitisch zu. Mohamed Solah schlendert im traditionellen blauen Gewand und mit einem grünen Tuareg-Turban zwischen den Ständen umher. Auf der Nase hat er eine Ray-Ban-Sonnenbrille, in der Tasche ein modernes Handy, mit dem er auch fotografieren kann. "Es gibt Internetcafés in Tamanrasset. Alles, was ihr in Europa habt an Technik, an Kommunikationsmitteln, an Fernsehsendern, haben wir auch in Tamanrasset. 2´05 Ich trage normale Tuareg-Kleidung, aber die jungen Leute sind eine neue Generation..... Sie tragen eine andere Kleidung, aber sie tragen die Tradition im Herzen." Zur Tradition gehört die Gastfreundschaft, und die ist auch für die jungen Leute selbstverständlich, die Sportswear mit Baseballmütze tragen oder Jeans und den Tuareg-Turban. Siehe auch Beitrag Tamanrasset weiter unten Im Theater von Tamanrasset bejubeln sie die Musik des lokalen Stars Zoukani. Am Wochenende, in dem islamischen Land sind das Donnerstag und Freitag, ist auch mitten in der Wüste etwas los. alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5152130271717690418" /> Tamanrasset ist auch der Ausgangspunkt für Touristen, die in die Wüste aufbrechen, mit dem Motorrad, dem Fahrrad oder zu Fuß, auf einem Kamel oder im Jeep, in eine Art prähistorisches Freiluftmuseum mit bizarren Felsen, hohen Gebirgen und riesigen Sanddünen. 80 Kilometer von Tamanrasset entfernt liegt Assekrem, auf 2780 Meter der höchste Ort in der Wüste. Nachts fallen die Temperaturen auf Minusgrade, aber die Sonnenauf- und Untergänge sind berühmt für ihre Schönheit. Rötlich schimmern die umliegenden Bergketten des Tassiligebirges im Licht der aufgehenden Sonne. Bevor sie die Landschaft in gleißendes Weiß taucht, sieht es aus, als ob Nebel aus den Tälern aufsteigen. Abdelkader Regdada führt Touristen seit den 80er Jahren durch die Wüste: "Sie müssen essen wie wir, wir zeigen ihnen, wie wir leben, wie wir reisen, wie wir uns orientieren, ohne Kompass und ohne GPS, nur an einem Berg, an den Farben des Sandes. Wir leben mit dem Touristen, wir zeigen ihm unsere Tradition. Wir stellen Zelte auf oder schlafen im Freien, essen eine Suppe, als Dessert gibt es Datteln, wir machen einen richtigen Tee dazu, und die Leute schauen die Sterne an, wenn wir ums Feuer sitzen." Wenn die Beduinen tanzen, knallen Schüsse. Die Männer schwenken dabei ihre Gewehre und ballern im Rhythmus. Doch die Menschen und ihre Bräuche sind so unterschiedlich wie die Landschaften der algerischen Sahara, zwei Millionen Quadratkilometer Wüste. Die Schluchten von El Kantara leuchten rötlich in der Nähe von Biskra, der Pforte zur Wüste in der Nähe der tunesischen Grenze. Siehe auch Beitrag Biskra weiter unten Vier Sehenswürdigkeiten in der Sahara Algeriens sind als Unesco-Weltkulturerbe ausgezeichnet, darunter die Höhlenmalereien im Tassili und die pyramidenförmige Architektur der ineinander verschachtelten Häuser in Ghardaia, 600 Kilometer südlich von Algier. Siehe auch Beitrag Ghardaia weiter unten Djudj Brahim führt durch seinen Heimatort: "Die Farben sind sehr hell, und sie strahlen die Hitze zurück. Das Beige der Farben außen passt zur Farbe des Sandes. Aber im Innern der Häuser wird eine blaue Farbe verwendet. Das verringert die Helligkeit, und so kann sich die Seele erholen. Das Blau, das wir verwenden, verringert sogar die Fliegen und Insekten im Haus. Die Mauern sind aus Kalk und Sand und werden mit Dattelholz gestützt. Das ergibt natürliche Farben, nichts wird gefärbt, alles ist natürlich." Diese Architektur ist fast 1000 Jahre alt. Nachdem er Ghardaia gesehen hatte, beklagte Le Corbusier die Häßlichkeit des Fortschritts in Europa. Ricardo Bofill, Franck Lloyd Wright, Pouillon und viele andere Architekten fanden und finden in Ghardaia Inspiration. 7’55= 1’30 zu kürzen] Hunderte von Kilometern weiter im Südosten liegt Taghit (sprich: Tarit), nahe der Grenze zu Marokko. Hier sind die schönsten Dünen der Sahara, sehen sie doch aus wie ein Meer aus Sand. Siehe auch Beitrag Taghit weiter unten Dieses Jahr fand hier zum achten Mal "Dünenmarathon" statt. Fabrice Humbert aus der Normandie war zum fünften Mal dabei und feierte in der Wüste Silvester: "Wir haben uns in die Menschen dieses Landes verliebt. Wir kennen das Maghreb, waren in Marokko und Tunesien. Nirgendwo haben wir einen so herzlichen Empfang erlebt wie bei den Algeriern. Und im Süden ist der Empfang noch freundlicher. Deshalb reisen wir immer wieder dort hin, die Landschaften sind wundervoll." Die Region um Taghit (Tarit) ist auch für ihre Musik bekannt. Alla heißt der Sänger, der hier geboren wurden. Seine Musik wird in der Schweiz sogar in der Psychiatrie zur Heilung bzw. Beruhigung der Kranken benutzt, erzählen die Einheimischen stolz. Info: Seit 2003 Europäer entführt wurden und das Auswärtige Amt in der Folge von Reisen nach Algerien abriet, wagen sich Touristen kaum mehr nach Algerien. Doch ein Besuch lohnt sich nach wie vor, und heute wird das algerische Gesetz, nachdem ein Tourist nur mit einem staatlich anerkannten Führer in die Wüste darf, strikt angewendet. Das Auswärtige Amt rät heute zu allgemeiner Vorsicht (wie überall) und empfiehlt im Besonderen Gruppenreisen mit professionellen Veranstaltern.
© Rachid Dehag

Die ONAT-Büros des Tourismusministeriums sind Ansprechpartner, die Reiseagenturen und Führer vermitteln. Wenn Sie algerische Freunde haben, können Sie ohne Bedenken nach Algerien fahren. Reiseveranstalter Abdelkader Regagda empfiehlt Touristen: „Selbst wenn er mit seinem eigenen Jeep kommt, soll der Tourist einen Führer nehmen, und er wird im Hoggargebirge und in ganz Algerien willkommen sein. Wir kennen die Region bestens, und außerdem hat jedes Reisebüro Satellitentelefone. Ich habe meines im Auto. Damit kann man die Behörden anrufen und ist immer in Sicherheit.“

Internetinfo: www.tourisme.dz www.algeriantourism.com